Mehr Mut für Graz

„Eine gute Stadt ist wie eine gute Party.

Die Menschen bleiben länger als geplant, weil sie sich wohlfühlen.“
- Jan Gehl, dänischer Architekt & Städteplaner, u.a. Autor von „Städte für Menschen“

Elisa-Maria Steinberger ist die neue Citymanagerin der Stadt Graz.

Die Juristin ist Expertin im Bereich Stadt- und Standortentwicklung.

Graz hat alles, was eine starke Innenstadt braucht. Jetzt geht es darum, dieses Potenzial selbstbewusst zu leben und sichtbar zu machen. Echt GRAZ hat die Citymanagerin zum Interview gebeten:

Wenn Graz in zehn Jahren als europäisches Vorzeigeprojekt gelten soll, was müsste sich ab morgen konkret ändern?
Ein klares Miteinander statt ein Gegeneinander. Eine gemeinsame Vision, eine Leidenschaft und eine klare Marschrichtung – mit vielen Facetten, aber einem gemeinsamen Ziel: Graz als europäische Vorzeigestadt. Es geht nicht um Gleichklang, sondern um Kooperation und eine positiv aufgeladene Grundstimmung.

Was kann eine Innenstadt wie Graz bieten, das Online-Shopping niemals ersetzen kann?
Innenstadt muss wie eine gute Party sein – man wollte nur kurz vorbeischauen und bleibt viel länger. Sie bietet das Unerwartete: Begegnungen, spontane Momente, Erlebnisse. Man trifft Menschen, setzt sich noch auf einen Kaffee, entdeckt Überraschendes. Dieses „Sehen und Gesehenwerden“ kann online nicht ersetzt werden. Dieses Potenzial ist da – wir nutzen es, aber wir könnten es stärker nach außen tragen. Mehr Einladen, mehr Willkommenskultur.

Ist die Innenstadt ein Ort für Bewohner, Gäste, Touristen oder Unternehmen?
Für alle. Graz ist vielseitig, jung, urban, und genau diese Vielfalt sollte man aushalten wollen. Wohnen gewinnt an Bedeutung, gleichzeitig ist Leben in der Innenstadt eine bewusste Entscheidung. Wirtschaft und kreative Konzepte sind genauso wichtig, sonst wird die Stadt zum Freilichtmuseum. Graz muss nicht alles sein – aber das, was es ist, selbstbewusst zeigen.

Was macht Graz besonders? Warum kommt man hierher?
Viele sind überrascht, wenn sie da sind. Graz hat Charme – und der kommt auch von den Menschen. Es ist eine Stadt, in der man vieles sein darf: kreativ, urban, querdenkend. Genau das ist die Stärke. Dieses Profil sollte stärker herausgearbeitet werden.

Welchen mutigen Schritt würden Sie setzen?
Einen langfristigen Masterplan für die Innenstadt, unabhängig von Wahlperioden, getragen von Politik und Expert:innen. Stadtentwicklung braucht Zeit und Kontinuität. Und mutig gedacht: Die Mur stärker öffnen und erlebbar machen – als lebendigen Naherholungsraum rund um die Innenstadt.

Was ist ein typischer Graz-Moment?
Einfach in einem Café sitzen, Leute beobachten, Zeit verbringen. Graz wirkt oft freundlich, entspannt, gut aufgelegt. Orte wie der Lendplatz zeigen diese Vielfalt besonders gut.

Wann spürt man das mediterrane Flair?
Sobald die Sonne da ist und sich die Gastgärten füllen. Plätze wie Franziskanerplatz, Lendplatz oder Kaiser-Josef-Platz werden lebendig – genau dort entsteht dieses besondere Lebensgefühl.

Wenn Graz eine Blume wäre?
Eine Tulpe: schlicht, bunt, besonders – und sie braucht nicht viel, um zu wirken.

Pfeil nach oben Zum Seitenanfang